Vera Hefele und Teresa Trunk

Change by design, not by disaster."

Steckbrief

Aktueller Beruf / Position:
Gründerinnen des Projektbüros WHAT IF für nachhaltige Kultur
Kurzbiografie: 
Das Projektbüro WHAT IF für nachhaltige Kultur begleitet Kulturinstitutionen dabei, nachhaltige Prozesse langfristig zu implementieren und dadurch zukunftsfähig zu machen. Als ausgebildete Transformations- und Kulturmanagerinnen entwickeln die Gründerinnen Vera Hefele und Teresa Trunk individuelle Nachhaltigkeitsstrategien, erstellen Klimabilanzen und bieten Workshops und Vorträge zum Thema an.

Interview

1. Hat Nachhaltigkeit in euren Leben schon immer eine Rolle gespielt, oder gab es den berühmten Change?

Privat spielt bei uns beiden Nachhaltigkeit schon sehr lange eine Rolle, aber beruflich hat sich das in den letzten Jahren entwickelt. Wir waren vor und während unseres Studiums beide im Theater- und Orchesterbereich tätig, wo der Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Branche damals noch so gar kein Thema waren. Je näher wir in Richtung Ende unseres Studiums kamen, desto mehr hat sich uns die Frage gestellt, in was für einer Kulturbranche wir arbeiten wollen. Und da war für uns beide klar, dass wir einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Kulturbranche leisten und mit unserer Arbeit zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen wollen. In der Kultur und auch darüber hinaus.

 

2. Wie waren eure ersten Begegnungen mit Orchester des Wandels?

Wenn man sich mit Nachhaltigkeit in der Kulturbranche auseinandersetzt, kommt man am Orchester des Wandels ja eigentlich nicht vorbei. Es ist wirklich toll, welche Bewegung der Verein in der Orchesterlandschaft ausgelöst und das Bewusstsein für das Thema nochmal auf ein ganz neues Level gehoben hat.

 

3. Wie schaut eure Arbeit mit WHAT IF aus?

Wir sind in unterschiedlichen Bereichen aktiv, haben aber in unserer Arbeit den Hauptfokus auf ökologische Nachhaltigkeit gesetzt. Wir machen z.B. Klimabilanzierungen für Kulturinstitutionen, die den Organisationen dabei helfen, ihren Status quo hinsichtlich ihrer CO2-Emissionen festzustellen. Das ist eine wichtige Grundlage, um daraus Maßnahmen zur Reduktion des CO2-Fußabdrucks abzuleiten und umzusetzen. Auch bei diesem Prozess unterstützen wir Institutionen und entwickeln mit ihnen eine Nachhaltigkeitsstrategie. Wir arbeiten mit ganz unterschiedlichen Organisationen wie Theatern, Festivals, aber auch mit Kommunen. Ganz aktuell beispielsweise mit dem Kulturamt Würzburg und seinem Bündnis KlimaKultur, dem sämtliche Würzburger Kulturinstitutionen angehören. Das ist ein sehr spannender Prozess, den wir mit einer sechsmonatigen Coaching-Reihe begleiten. Neben diesen längeren Projekten werden wir auch für einzelne Workshops und Vorträge angefragt.

 

4. Wo seht ihr das größte Potential für Klimaschutz-Maßnahmen in der Orchester- und Theaterlandschaft?

Im Orchesterbereich ist das Thema Tourneen und die Reisen von Gastkünstler:innen natürlich ein großer Bereich, für den es noch wenige bis keine nachhaltigen Alternativen gibt. Gleichzeitig ist es aber für viele Orchester, die auf internationalen Bühnen aktiv sind, ein Kernthema. Es ist aber auch Fakt, dass sich viele Orchester dieser unbequemen Frage stellen und ihre bisherigen Praktiken überdenken. Das soll nicht bedeuten, dass alle Orchester den radikalen Weg des Helsingborg Orchestra gehen. Oft besteht das Gefühl, dass man alles sofort anders machen muss. Das ist in den meisten Fällen natürlich nicht so leicht. Deswegen ist es sehr wichtig, mit den Dingen anzufangen, die möglich sind und bei großen Themen, wie der Tourneeplanung, durch Ausprobieren und in kleinen Schritten Veränderungen zu ermöglichen.

Bei Festivals und Theatern ist das Thema Publikumsmobilität oft ein wahnsinnig großer Bereich. Hier ist unsere Hoffnung, dass die Institutionen mit immer mehr soliden Daten in einen Dialog mit den Städten und Kommunen kommen und dadurch auch einen Beitrag zur Mobilitätswende leisten.

 

5. An welchen Punkten stoßt ihr auf Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst ihr diese Herausforderung?

Nachhaltigkeit ist in der Kultur an vielen Stellen noch Pionierarbeit, d.h. für viele Dinge gibt es noch keine Konzepte, die man einfach aus der Schublade ziehen und abarbeiten kann.

Hier braucht es Raum und die Erlaubnis für Experimente, um ein Scheitern zuzulassen und neue zukunftsfähige Konzepte zu finden. Mit Pilotprojekten versuchen wir hier im Kleinen auszuprobieren, wie man solche Grenzen in Zukunft durch neue Ansätze auflösen kann. Im Kleinen anzufangen hilft oft, um nicht das Gefühl zu haben, man muss alles auf einmal neu erfinden. Die Grundvoraussetzung dafür ist aber, dass dem Thema Nachhaltigkeit eine gewisse Priorität eingeräumt wird und man sich für genau diese Experimente Zeit nimmt. Nachhaltigkeit ist kein Thema, das man nebenbei mal noch macht. Es geht darum, dass sich nachhaltige Produktions- und Denkweisen in der DNA einer Institution verankern und das braucht seine Zeit.

 

6. Was treibt Euch an?

Klingt vielleicht pathetisch, aber die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Eine nachhaltige Entwicklung leistet den entscheidenden Beitrag dazu, dass die Menschen auf der Welt in Frieden und Freiheit leben können. Manchmal ist es natürlich nicht ganz leicht, sich bei all den Schreckensnachrichten aus der Welt nicht hilf- und nutzlos zu fühlen und das eigene Tun als zu wenig bedeutungsvoll zu empfinden. Aber jede:r kann ja nur den Beitrag leisten, der im eigenen Wirkungskreis liegt. Und das versuchen wir mit unserer Arbeit und in unserer Branche zu tun. Kunst & Kultur sind in unseren Augen oft ein unterschätzter Faktor, mit dem eine nachhaltige Transformation gelingen kann.

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