Ulrich Haider

Wir haben das Glück, dass uns die Leitung des Hauses in vollem Maße unterstützt!"

Steckbrief

Aktueller Beruf / Position:
stellv. Solohornist, Münchner Philharmoniker
Kurzbiografie: 
Seit 1993 spielt Ulrich Haider bei den Münchner Philharmonikern. Er war Orchestervorstand und Personalrat, darüber hinaus engagierte er sich viele Jahre im Team Spielfeld Klassik. Dort initiierte er das Familienmusical „Ristorante Allegro", das in den letzten zehn Jahren mehr als 40.000 junge und ältere Konzertbesucher*innen in die Philharmonie am Gasteig lockte. Als Gründer des Nachhaltigkeitsteams der Münchner Philharmoniker legte er den Grundstein für die Ökoprofit-Zertifizierung des Orchesters.

Interview

1. Hat Nachhaltigkeit in Deinem Leben schon immer eine Rolle gespielt, oder gab es den berühmten Change?

Ein Grundbewusstsein gab es schon immer. Geprägt wurde es von meinem Vater, der schon in den 70er Jahren sehr gewissenhaft den Müll trennte, was zu dieser Zeit nur wenige Menschen für notwendig hielten. Auch bin ich auf dem Land aufgewachsen und war schon als Kind viel in der Natur unterwegs – im naheliegenden Wald oder auf den Bauernhöfen in der Nachbarschaft. Das hat bestimmt eine gewisse Sensibilität für die Umwelt entstehen lassen.

 

2. Wie war deine erste Begegnung mit Orchester des Wandels?

Als ich initiierte, dass wir Philharmoniker am Ökoprofit-Programm der Stadt München teilnehmen, hat mich mein Kontrabass-Kollege Alexander Preuss auf den Verein aufmerksam gemacht. Ich muss gestehen, dass ich erst einmal recht abweisend reagierte, weil ich dachte, dass sich da ein paar Orchester mit Klima-Konzerten „greenwashen“ wollen. Eines Tages rief mich dann Markus Bruggaier an und wir führten ein ziemlich intensives Gespräch. Mir wurde klar, dass der Verein eigentlich alles in sich vereint, was mir in Bezug auf den Klimaschutz wichtig ist. Nix „Greenwashing“, sondern sehr fundierte und konsequente Herangehensweisen. 

 

3. Wie seid ihr als Team in Sachen Nachhaltigkeit an eurem Haus strukturiert?

Bei uns gibt es ein Ökoteam, bestehend aus neun Kolleginnen und Kollegen, sechs aus dem Orchester und drei aus der Direktion. Gemeinsam nehmen wir am Ökoprofit-Programm teil, einem Angebot der Stadt München für Betriebe und Institutionen, das eine nachhaltige Ausrichtung unterstützt. Ein sehr empfehlenswertes Angebot, bei dem man sich in Workshops weiterbildet und auch direkt vor Ort professionelle Beratung erhält.

 

4. Welche Aktivitäten plant ihr mit eurem Orchester in der nächsten Zeit?

Wir sind gerade dabei eine umfassende CO2-Bilanz zu erstellen und erste Maßnahmen umzusetzen. Außerdem planen wir einen Nachhaltigkeitstag, der am 26. Juni 2022 stattfinden wird. Besonders spannend finde ich die zwei geplanten Podiumsdiskussionen, eine zum Thema „Tourneen in Zeiten des Klimawandels“ und eine zum Thema „Was ist uns Nachhaltigkeit im Zuge der Sanierung des Gasteigs wert?“

 

5. Wo siehst du das größte Potential für Klimaschutz-Maßnahmen in der Orchester- und Theaterlandschaft?

Es gibt zwei Bereiche, die den größten Effekt haben. Bei Opernorchestern ist es die energetische Gebäudesanierung, bei Sinfonieorchestern die Maßnahmen zur Reduktion des Co2-Ausstoßes im Zuge ihrer Reisetätigkeit.

 

6. An welchen Punkten stößt du, stößt dein Orchester oder Theater an Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst ihr diese Herausforderung?

Zweifelsohne ist es die Reisetätigkeit der Münchner Philharmoniker, die am schnellsten Grenzen aufzeigt. Trotzdem gibt es auch da viele Maßnahmen, mit denen man den CO2-Ausstoß erheblich verringern kann. Ich werde sie jetzt nicht einzeln nennen, sondern empfehle, den von mir verfassten „Greentouring-Guide“ auf der Seite von Orchester des Wandels zu lesen. Da steht eine ganze Menge von dem drin, was wir nach und nach umsetzen wollen.

Übrigens kompensieren die Münchner Philharmoniker schon seit vielen Jahren ihre Flüge. Anfangs war das nicht ganz freiwillig, sondern ein Beschluss der Stadt München für alle Dienstreisen. Mittlerweile machen wir das aber mit großer Überzeugung und in dem Wissen, dass Kompensation immer das letzte aller Mittel ist.

 

7. Wie hat sich das Nachdenken über Klimaschutz an eurem Orchester, eurem Haus verändert?

Wir haben das große Glück, dass wir das Thema gemeinsam mit der Leitung des Hauses angehen. Wenn alle an einem Strang ziehen, ist es recht leicht, aktiv zu sein und Bewusstsein zu verändern. Im Orchester des Wandels ist das ja auch so. 

 

8. Was möchtest du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz mit auf den Weg geben?

Beschäftigt euch damit, werdet aktiv und seht es als positive Herausforderung. Das Thema ist unglaublich spannend und vielseitig. Außerdem lernt man tolle Leute kennen. 

 

9. Inspiriere uns – wie gestaltest du dein Arbeits- und dein Privatleben umweltschonend?

Privat bin ich auf einem guten Weg zu meiner persönlichen Klimaneutralität. Da ich mit meiner Familie in einem freistehenden Einfamilienhaus auf dem Land wohne, liegt natürlich viel Verantwortung bei uns selbst. Wir haben eine PV-Anlage mit Speicher, die Heizung läuft über ein Nahwärmenetz, das die Abwärme der Biogas-Anlage eines landwirtschaftlichen Betriebes in meiner Nachbarschaft nutzt, außerdem habe ich seit kurzem ein Elektro-Auto. Dass ich seit mehreren Jahren kein Fleisch mehr esse, ist vermutlich selbstverständlich.

In Bezug auf das Arbeitsleben spielt natürlich die Anfahrt nach München eine große Rolle. Für die gut 60 km nutze ich möglichst oft den Zug. Da die Verbindungen in den Abendstunden aber nicht wirklich gut sind, bietet das Elektroauto einen guten Kompromiss.

 

10. Was treibt Dich an?

Ich habe zwei Söhne und damit eine besondere Verantwortung für die nächsten Generationen. Außerdem habe ich einen Grundsatz, den mir ein guter Freund mit auf den Weg gegeben hat: Sei ein Gestalter, sonst bist du ein Erdulder! Ein weiser Ratschlag, der nicht nur für den Klimaschutz gilt.

 

11. Von welcher Positiv-Schlagzeile aus der Orchester- und Theaterlandschaft zum Thema Umweltschutz träumst Du?

„Geschafft! Die deutsche Orchesterlandschaft ist klimaneutral!“

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