Joric Pretzel

Man muss Ausdauer mitbringen, wenn man auf langfristige Veränderung zielt."

Steckbrief

Aktueller Beruf / Position:
Projektmanager bei der Konzertdirektion Schmid
Kurzbiografie:
Joric Pretzel wurde in München geboren. Er studierte Musikwissenschaft und Interkulturelles Musik- und Veranstaltungsmanagement in Weimar und Jena. Nach ersten Erfahrungen als Künstlerbetreuer beim Beethovenfest Bonn und einem halbjährigen Praktikum im Künstlersekretariat am Gasteig war Joric Pretzel seit 2016 als Tourneemanager des Gustav Mahler Jugendorchesters tätig. Seit März 2018 ist er bei der KD Schmid als Project Manager verantwortlich für den Entwurf und Verkauf von Orchestertourneen.

Interview

1. Hat Nachhaltigkeit in Deinem Leben schon immer eine Rolle gespielt oder gab es den berühmten Change?

Durch meine Eltern und deren Erziehung wurde ich von Anfang an für das Thema sensibilisiert, doch ist mein persönliches Engagement für das Thema über die Jahre gewachsen. Das Bewusstsein für die Dringlichkeit unseres Handelns wurde durch zunehmendes Wissen geschärft. Durch die tagtägliche Präsenz des Themas in den Medien oder durch aktuelle politische Ereignisse wie dem Bundestagwahlkampf ist das Thema natürlich omnipräsent. Keiner von uns kann sich dem Thema verschließen. Heute muss sich jeder Mensch die Frage stellen, wie er sich dem Thema verantwortungsbewusst stellen möchte.

 

2. Wie war Deine erste Begegnung mit Orchester des Wandels?

Durch meine Arbeit bin ich natürlich immer früh informiert über neue Initiativen und Entwicklungen von Orchestern. Ich habe den Namen das erste Mal beim Querlesen eines Artikels entdeckt und habe mich sofort über die Initiative informiert. Man hört von vielen neuen Ideen und hofft jedes Mal auf die nötige Konsequenz des Vorhabens, die langfristig für die notwendige Veränderung sorgt. Bei den Orchestern des Wandels hatte ich da wenig Sorgen.

 

3. Wie seid ihr als Team in Sachen Nachhaltigkeit in eurer Institution strukturiert?

Vor ca. zwei Jahren hat die Konzertdirektion Schmid ein Klimakomitee gegründet. Dieses Komitee beschäftigt sich vorrangig mit den Fragen, wie wir das Unternehmen selbst und die unternehmensinternen und -externen Prozesse klimaneutraler gestalten können. Das Team ist bewusst klein gehalten. Jede Meinung soll gehört, jeder Frage nachgegangen werden. Von außen ist jeder eingeladen Input zu geben und bei Treffen mitzudiskutieren. Mittlerweile haben sich weitere Arbeitsgruppen gebildet, denn Nachhaltigkeit betrifft ja nicht nur die Klimapolitik sondern auch Bereiche wie Diversität oder Strukturmanagement. Grundsätzlich stellen wir uns in diesen Departments die Frage: „Wo wollen wir hin und wie können sich unsere Ideen nachhaltig positiv auswirken?“

 

4. Welche Aktivitäten plant ihr mit eurer Institution in der nächsten Zeit?

Um ein anschauliches Beispiel zu geben: Mit Beginn der „neuen Saison“ im September 2021 verabschieden wir eine neue Reiseverordnung für die MitarbeiterInnen, die unsere Reiseaktivitäten neu ordnen und die dadurch entstehenden Emissionen drastisch verringern werden. Weitere Vorhaben sind in der Diskussion und noch nicht spruchreif.

 

5. Wo siehst du das größte Potential für Klimaschutz-Maßnahmen in der Orchester- und Theaterlandschaft?

Es gibt viele Bereiche, in denen Orchester klimafreundlicher werden könnten. Das reicht von kleinen und leicht umzusetzenden Dingen – vom Papieraufwand zur Einrichtung des Notenmaterials oder der Auswahl und Bereitstellung des Caterings – bis hin zu komplexeren Vorgängen wie dem Routing der vielen Reisen oder der Energieeffizienz eines Konzerthauses. Ich glaube, früher oder später müssen wir all diese Bereiche konsequent klimafreundlicher gestalten, um einen zeitgemäßen Umgang mit der Umwelt und unseren Ressourcen zu entwickeln.

 

6. An welchen Punkten stößt du / stößt deine Institution auf Grenzen in der Nachhaltigkeit und wie löst ihr diese Herausforderung?

Wir sind als Agentur natürlich in erster Linie vor allem beratend tätig. Das heißt, wir können unsere Partner für viele Themen sensibilisieren und Lösungswege aufzeigen. Die letztendliche Entscheidung aber liegt nicht in unserer Hand. Man muss Ausdauer aufbringen, wenn man auf langfristige Änderung abzielt. Wir wissen zudem um den finanziellen Aufwand, um die Vielzahl an Problemen in Angriff zu nehmen. Daher versuchen auch wir selbst kontinuierlich Veränderung herbeizuführen und nicht nur bei anderen einen Wechsel im Verhalten zu verlangen.  

 

7. Wie hat sich das Nachdenken über Klimaschutz in eurer Institution verändert?

Das Thema war schon immer sehr präsent. Viele KollegInnen hatten schon mit der Idee gespielt eine solche Initiative zu gründen. Irgendwann war es so weit, dass wir uns über uns als Individuen hinaus fragen mussten: „Wie stehen wir als Institution in der Verantwortung?“ Bisher wurden die meisten unserer Vorhaben gut aufgenommen und Ideen für weitere Schritte an das Komitee herangetragen. 

 

8. Was möchtest du jungen Menschen in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz mit auf den Weg geben?

Es ist leider so, dass die Interessen von jungen Menschen oft zu wenig Beachtung finden, zum Beispiel in der Politik. Daher ist es wichtig, dass sie weiter auf Nachhaltigkeit pochen, ungemütlich bleiben und die Dringlichkeit von Umweltschutz thematisieren. Es bringt gleichzeitig nichts rein idealistisch zu denken. Wenn man Veränderung herbeiführen will darf man nicht den Fehler machen und die Gegenseite vergessen. Man muss sie und ihre Probleme versuchen zu verstehen. Antworten für beide Seiten finden und die Lösung als Kollektiv suchen.  

 

9. Inspiriere uns – wie gestaltest du dein Arbeits- und dein Privatleben umweltschonend?

Grundsätzlich versuche ich ressourcensparend zu leben. Ich achte beim Einkauf auf regionale Produkte, habe seit einiger Zeit meinen Fleischkonsum erheblich reduziert und versuche mich den Großteil der Woche komplett plant-based zu ernähren. Ich gehe zu Fuß zur Arbeit und versuche meine Geschäftsreisen möglichst mit dem Zug zu gestalten. Was wir im Kleinen machen, reicht nicht, um die Welt zu retten, aber es ist ein Anfang.

 

 

10. Was treibt Dich an?

Ich möchte das, was ich tue, bestmöglich machen und mich dabei kontinuierlich weiterentwickeln. Sowohl persönlich, als auch beruflich. Es gibt für mich kein Zufriedensein und kein Ankommen. Es gibt immer Potential, den eigenen Horizont zu erweitern.

 

11. Von welcher Positiv-Schlagzeile aus der Orchester- und Theaterlandschaft zum Thema Umweltschutz träumst Du?

Ich träume von einer Selbstverständlichkeit im Umgang mit diesem Thema. Wäre es nicht schön, wenn wir die Klimaneutralität der Konzerte als Gegeben sehen und uns wieder rein auf die Kunst konzentrieren können?

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