Auenwald am Pruth, Moldawien

Donau-Delta
So wie hier am Donau-Delta soll es bald auch am Nebenfluss Pruth aussehen. Foto: WWF

"New Life on Lower Pruth River"

Renaturierungsprojekt in der Heimat von Patricia Kopatchinskaja

Angestoßen durch die Stiftung NaturTon und auf ausdrücklichen Wunsch unserer Konzertsolistin Patricia Kopatchinskaja kommt der Erlös unseres 2. Klimakonzerts der südeuropäischen Republik Moldawien zugute. "New Life on Lower Prut River" ist ein Projekt des WWF zur Renaturierung von Auenwäldern im Flussdelta des Pruth, das speziell für das Orchester des Wandels aufgelegt wurde. Dies ist die erste deutsche Initiative in dieser Region. Projektstart war noch im gleichen Jahr 2012.

Zwischenbericht

Das Projekt entwickelt sich prächtig: Waren ursprünglich nur 40 ha Fläche anvisiert, konnte das Gebiet mittlerweile auf 2000 ha vergrößert werden.
Schon im Spätherbst 2012 wurden 17,5 ha von der staatlichen Forstagentur Moldsilva bepflanzt. Zukünftig werden diese Flächen regelmäßig durch Moldsilva-Mitarbeiter kontrolliert, da insbesondere in diesen südlichen Landesteilen Moldawiens die unerlaubte Beweidung von Forstflächen ein ernsthaftes Problem darstellt. Der Ertrag des entstehenden Waldes wird den umliegenden Gemeinden zufließen. Durch deren Einbeziehung möchten wir positive Signale setzten und ein lokales Umweltbewusstsein schaffen. Aus dem gleichen Grund sind auch Schulen in das Projekt eingebunden. In Zusammenarbeit mit Lehrern hat der WWF „Naturklassen/räume“ eingerichtet, in welchen Schüler eigene Umweltprojekte zum Thema Flusslandschaften entwickeln.

Aktionstag am 30. Juni 2013

Der von der Stiftung NaturTon in Zusammenarbeit mit dem WWF initiierte Aktionstag in Giurgiulesti wurde als buntes Volksfest gefeiert. Für fröhliche Stimmung sorgte das Ensemble „Giurguleasca“. Es gab eine Ausstellung von Zeichnungen und Projektarbeiten der Grundschulkinder sowie ein Wissensquiz zum Thema Umweltschutz. Lokale Kunsthandwerker präsentierten ihre Arbeiten. Anschließend gab es eine Verkostung regionaler Spezialitäten. Unter den Besuchern fanden sich der Bürgermeister von Giurgiulesti, Vertreter des Umweltschutzministeriums, der Agency Moldsilva und Gäste aus dem rumänischen Naturkundemusem-Komplex Galati ein. Lokale und nationale Pressevertreter berichteten über den erfolgreichen Aktionstag.
Das Delta des Pruth wird, dank unserem Engagement und der Regenzeit, immer grüner.

Hintergrundwissen zum Pruth

Der Pruth ist ein 953km langer Nebenfluss der Donau. Seine Quelle liegt in den ukrainischen Ostkarpaten nahe der rumänischen Grenze. Im längsten Teile seines Laufes markiert der Pruth die Grenze zwischen Rumänien und Moldawien. Die Schwemmgebiete des Pruth sowie die angrenzenden Auenwälder sind sowohl für die regionale Süsswasserversorgung also auch als Vogelbrutgebiete von großer Bedeutung.

Bedroht sind die Auen des Pruth vom Klimawandel und von einer wenig nachhaltigen Landwirtschaft. Dämme, die zur Hochwasserkontrolle gebaut wurden, zeigen zusätzliche negative hydrologische Auswirkungen auf die flussabwärtigen Feuchtgebiete, die nun unter einem Flutmangel und einem gesunkenen Grundwasserspiegel leiden. Dies wiederum zerstört den ökologischen Lebensraum von Arten, die auf Auen und Schwemmgebiete angewiesen sind. Zugleich bedroht eine Ausweitung von landwirtschaftlichen Flächen die Feuchtgebiete durch ansteigende Belastung mit ausgeschwemmten Dünger, Begradigung und landwirtschaftliche Nutzung von Fluss-Auen.

Politische Tragweite

Besondere Bedeutung hat der Pruth auch als internationales Grenzgewässer. Effektiver Schutz hängt von enger Kooperation der Anrainerstaaten, insbesondere Rumänien und Moldawien ab.  Kulturhistorisch vereint, sind diese Nationen jedoch seit vielen Jahrzehnten politisch getrennt, zunächst durch die Grenze der Sowjetunion und nun durch die Scheidelinie der EU. Das europäische Stiefkind Moldawien gehört dabei zu den unbekanntesten und vergessensten Ländern des Kontinents. Ein kleines Binnenland, kaum grösser als das Bundesland Brandenburg, dessen hügligen Landschaften und Flussläufe sich zum Schwarzen Meer strecken, dieses jedoch nicht erreichen.  Das Kernland Moldawiens zwischen den zwei großen Flüssen Dnister und Pruth beherbergt dabei fünf Naturreservate und 30 Naturschutzgebiete mit 16 500 Tierarten, alten Buchen- und Eichenwäldern.

Kooperationspartner

Mit dem Erlös des 2. Klimakonzertes (2012) fördert der WWF durch die lokalen Partnerorganisation IUCN (Institute of Ecology and Geography) und die lokale Regierung den Schutz noch existierender Feuchtgebiete und die Renaturierung und Aufforstung zerstörter Schwemmlandschaften. Die Projekte umfassen Maßnahmen, die Flussdynamik, Grundwasserspiegel und Wasserstände positiv beeinflussen. Somit werden wichtige Brutgebiete und Auenlandschaften wiederhergestellt. Die Aufwertung der Wasserqualität kommt direkt den angrenzenden Gemeinden zu Gute.

Dem Klimaschutz dient das Projekt durch eine Aufforstungskomponente und eine höhere Anpassungsfähigkeit der Flusslandschaften. Unterstützt wird das Projekt durch Aufklärungs- und Ausbildundsprogramme, welche die lokale Bevölkerung, insbesondere die Jüngeren und die Kinder, auf die Bedeutung ihrer Fluss-Auen für Artenvielfalt, Süßwasserversorgung und Anpassung an den Klimawandel haben.

Fotos: WWF