Foto: Lautenschläger

Tradition verpflichtet.

440 Jahre im Dienste der Tonkunst

Mit ihrer seit 1570 bestehenden Tradition gehört die Staatskapelle Berlin zu einem der ältesten Orchester weltweit. Zunächst war sie ausschließlich der Musik zu Hofe verpflichtet. Als Friedrich der Große 1742 jedoch die Königliche Hofoper, die heutige Staatsoper, gründete und mit der Kapelle zusammenführte, erweiterte sich der Wirkungskreis und die Erfolgsgeschichte begann.  

Einzigartige Klangkultur

Der besondere, dunkle und warme Klang der Staatskapelle, den Kenner rühmen, ist aus der langen Tradition gewachsen; die größten Dirigenten ihrer Zeit prägten die instrumentale und interpretatorische Kultur des Orchesters. Die Staatskapelle Berlin ist ein wesentlicher Bestandteil des künstlerischen Profils der Staatsoper: Sie trägt den Großteil der Opern- und Ballettaufführungen und führt in eigenständigen Konzertreihen große sinfonische Werke von der Klassik, Romantik und klassischen Moderne bis zur zeitgenössischen Musik inklusive Uraufführungen auf, außerdem ein breites stilistisches Spektrum von Kammermusik. Seit 1992 leitet Daniel Barenboim als Generalmusikdirektor die Staatskapelle Berlin. 

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Chronik

1570  
Kurfürst Joachim II. von Brandenburg legt die erste Kapellordnung für die kurbrandenburgische Hofkapelle fest.  
 
1572  
Johannes Wesalius wird als erster Hofkapellmeister dokumentiert. Bis zu seinem Tod im Jahre 1582 übt er dieses Amt aus.  
 
1608  
Der Komponist und Meister des evangelischen Kirchenliedes Johannes Eccard (1553-1611) wird am 4. Juli zum kurfürstlichen Hofkapellmeister nach Berlin berufen. Das Orchester besteht nun aus 24 Sängern und 18 Instrumentalisten. Sein Nachfolger, Nikolaus Zangius, der die Hofkapelle von 1612 bis 1618 leitet, erhöht die Zahl der Musiker.  
 
1616  
Am 1. März werden zwei Florentiner Kastraten Bernardo Pasquino Grassi und Giovanni Angelo Maglio - Monteverdi´s erster »Orfeo« (1607) - in Berlin für 360 Thaler pro Kopf und Jahr engagiert.  
 
1619  
Am 14. Februar übernimmt William Brade (1560 - 1630), ein bekannter englischer Gambist, das Amt des Hofkapellmeisters für ein Jahr. Unter der Leitung seines Nachfolgers und Landsmannes Walter Rowe führt der 30jährige Krieg zwar zur Reduzierung, nicht aber zur Auflösung des Orchesters.  
 
1680  
Nach jahrelangen Disputen zur Entlohnung der Musiker werden diese nun nicht nur rückwirkend mit einem Gehalt bezahlt, sondern erhalten auch eine frühe Form von Krankenversicherung. Von nun an dürfen sie sich »Cammer-Musicanten« nennen.  
 
1681  
Johann Christoph Pepusch (1667-1752), später in London Konkurrent Händels und Komponist der »Beggar´s Opera« (1728) wird Mitglied der Hofkapelle. 1698 flieht er aus preußischem Dienst über die Niederlande nach England.  
 
1684  
Ein für Theateraufführungen vorgesehener Saal wird im Berliner Stadtschloss gebaut. Das Orchester, geleitet von Carl Friedrich Rieck, nimmt an den ersten Opernaufführungen in Berlin teil.  
 
1701  
Bei der Krönung von Kurfürst Friedrich als »König Friedrich I. in Preußen« umfasst die Berliner Hofkapelle 30 Musiker und Sänger, einschließlich berühmte Instrumentalisten wie Attilio Ariosti, Giovanni Bononcini, Ruggiero Fedeli and Jean Baptist Volumier.  
 
1702  
Der italienische Komponist Giovanni Battista Bononcini schreibt die Oper »Polifemo« für den preußischen Hof.  
 
1713  
Nach seiner Krönung löst Friedrich Wilhelm I. die Hofkapelle auf und lässt Johann Gottfried Pepusch, den jüngeren Bruder von Johann Christoph Pepusch, ein kammermusikalisches Ensemble zusammenstellen, das sich aus Militärmusikern der Potsdamer Garnison zusammensetzt.  
 
1732  
Kronprinz Friedrich (später Friedrich II.) gründet ein neues Hoforchester für seine Residenzen in Ruppin (1732-1736) und Rheinsberg (1736-1740), das wichtige Musiker engagiert, so beispielsweise die Brüder Carl Heinrich (1701-1759) und Johann Gottlieb Graun (1699-1771), Frantisek (1709-1786) und Jiri Benda (1715-1752).  
 
1738  
Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) wird als Cembalist in die Hofkapelle aufgenommen.  
 
1740  
Am 31. Mai besteigt Friedrich II. den preußischen Thron; er beauftragt Georg Wenzeslaus Knobelsdorff, ein Opernhaus in der Allee Unter den Linden zu errichten.  
 
1741  
Das Rheinsberger Orchester wird zur »Königlichen Kapelle« am Hof in Berlin.  
 
1742  
Am 7. Dezember eröffnet die Königliche Kapelle die baulich noch nicht vollendete Lindenoper mit der Oper »Cleopatra e Caesare« von Carl Heinrich Graun unter der Leitung des Komponisten. Neben den Brüdern Graun, den Bendas und Carl Philipp Emanuel Bach finden sich im Orchester bedeutende Instrumentalisten wie Ludwig Christian Hesse, Johann Gottlieb Janitsch, Friedrich Wilhelm Riedt, Johann Heinrich Rolle, Christoph Schaffrath und Christian Schale. Die Hofkonzerte leitet Johann Joachim Quantz (1697-1773).  
 
1743  
Bis September wird die Lindenoper fertiggestellt; am 10. Oktober, nach einer Aufführung von Johann Adolf Hasses »La clemenza di Tito«, findet die erste Redoute im Opernhaus statt.  
 
1755  
Graun´s Oratorium »Der Tod Jesu« wird uraufgeführt von der »Musikausübenden Gesellschaft« sowie Mitgliedern der Hofkapelle. Mehr und mehr prägen die Orchestermitglieder auch das Bild des Berliner Konzertlebens außerhalb des Hofes.  
 
1759  
Nach Grauns Tod am 8. August übernimmt der Bach-Schüler Johann Friedrich Agricola (1720-1774) die musikalische Leitung der Hofkapelle.  
 
1775  
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814) wird Hofkapellmeister  
 
1783  
Am 11. März leitet Reichardt im Saal des Hotels Paris das erste seiner »Concerts spirituels«, die er nach Pariser Vorbild und den neu initiierten Konzerten des Leipziger Gewandhauses in Berlin einführt. Diese Konzertserie existiert zunächst jedoch nur bis 1784.  
 
1786  
Händels »Messias« wird im Berliner Dom mit Mitgliedern der Hofkapelle und zahlreichen Laiensängern unter der Leitung von Johann Adam Hiller aufgeführt.  
 
1788  
Am 11. Januar wird die Lindenoper nach einem von Friedrich Wilhelm II. angeordneten Umbau mit Reichardts Oper »Andromeda« wiedereröffnet.  
 
1789  
Carl Ditters von Dittersdorf leitet die Aufführungen von zwei seiner Sinfonien und führt am 5. August sein Oratorium »Hiob« in der Lindenoper auf. Zum ersten Mal und zunächst einmalig werden dabei Eintrittsgelder erhoben.  
 
1794  
Reichardt wird aufgrund seiner Sympathien für die Französische Revolution entlassen.  
 
1796  
Am 28. Februar gibt die Hofkapelle ein Benefizkonzert zu Gunsten von Mozarts Witwe. Er erklingen Ausschnitte aus Mozarts Opern erstmals in deutscher Sprache.  
 
1798  
Am 24. Januar wird in einem Konzert mit Reichardts »Brennus« erstmals eine vollständige Oper in deutscher Sprache aufgeführt.  
 
1799  
Haydns Oratorium »Die Schöpfung« wird von der Hofkapelle aufgeführt.  
 
1800  
Die Hofkapellmeister Vincenzo Righini (1756-1812) und Johann Heinrich Himmel (1765-1814) erwirken beim König die Einrichtung eines Fonds für Witwen und Waisen verstorbener Hofkapellmusiker. Am 8. Oktober leitet Carl Friedrich Zelter (1756-1832) zum Gedenken an seinen Lehrer und Vorgänger Carl Friedrich Fasch, den Gründer der Berliner Singakademie (Singe-Academie zu Berlin) die Aufführung von Mozarts Requiem.  
 
1806  
Nach Preußens Niederlage gegen Napoleons Truppen bei Jena und Auerstedt und der Besetzung durch französische Truppen werden keine Vorstellungen in der Hofoper mehr gegeben. Die Hofkapelle wird verkleinert, nimmt aber die Reihe der »Concerts spirituels« im Nationaltheater am Gendarmenmarkt wieder auf.  
 
1811  
Am 18. Juni vereinen sich die Hofoper und das Nationaltheater unter Leitung von »Generaldirektor« August Wilhelm Iffland (1759-1814) zu den »Königlichen Schauspielen«; die beiden Orchester werden ebenfalls zusammen geschlossen.  
 
1813  
Die »Concerts spirituels« im Nationaltheater werden unter der Leitung von Bernhard Anselm Weber (1774-1821) fortgesetzt.  
 
1815  
Beethovens »Fidelio« wird am 11. Oktober von der Hofkapelle in der Lindenoper aufgeführt.  
 
1816  
Am 29. März wird Bernhard Anselm Weber zum Ersten Kapellmeister ernannt, eine Position, um die sich Meyerbeer, E.T.A. Hoffmann und Spohr vergeblich beworben hatten. Der königliche Konzertmeister Carl Moeser leitet Sinfoniekonzerte (bis 1842).  
 
1817  
Graf Carl von Brühl, »Generalintendant der königlichen Theater« und Nachfolger Ifflands, versucht vergeblich Carl Maria von Weber als Hofkapellmeister nach Berlin zu holen.  
 
1820  
Am 6. Juni beruft der König Gasparo Spontini (1774-1851), ehemals Hofkapellmeister Napoleons, zum ersten preußischen »General-Musik-Director«. Bis 1841 bleibt er in diesem Amt. Spontini erhöht die Zahl der Orchestermitglieder auf 94 und kann die Qualität des Orchesters erheblich steigern.  
 
1821  
Am 18. Juni wird Webers »Der Freischütz«, inszeniert von Karl von Brühl, im neu erbauten Schinkelschen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt uraufgeführt. Eine Woche später spielt Weber sein »Konzertstück« für Klavier und Orchester im Konzertsaal des Schauspielhauses.  
 
1825  
Am 27. April wird Beethovens 6. Sinfonie (»Pastorale«) aufgeführt. Nicoló Paganini gastiert bei der Hofkapelle in mehreren Konzerten.  
 
1826  
Spontini leitet eine Konzertserie zum Bußtag zur Unterstützung des von ihm gegründeten »Spontini-Fond« für in Not geratene Kapellmitglieder. Am 27. November wird die 9. Sinfonie Beethovens unter der Leitung von Carl Möser uraufgeführt. Möser initiiert die kontinuierliche Beethovenpflege der Hofkapelle.  
 
1829  
Am 15. März nehmen Mitglieder der königlichen Hofkapelle mit der Singakademie an der Wiederaufführung der »Matthäuspassion« von Johann Sebastian Bach teil. Die Aufführung findet unter Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) im Saal der Singakademie (heute das Gebäude des Maxim-Gorki-Theaters) statt.  
 
1832/1833  
Mendelssohn Bartholdy dirigiert mehrere Benefizkonzerte. Im Konzert am 15. November 1832 wird dabei seine »Reformationssinfonie« uraufgeführt.  
 
1833  
Am 24. Mai spielt die Hofkapelle die Uraufführung der Oper »Hans Heiling« von Heinrich Marschner.  
 
1842  
Spontini wird wegen angeblicher Majestätsbeleidigung entlassen; am 11. Juni wird Giacomo Meyerbeer (1791-1864) neuer Generalmusikdirektor. Am 14. November findet die erste »Symphonie-Soiree« statt, die den Beginn einer regelmäßigen Abonnementkonzertreihe bildet. Die Konzerte werden zuerst im Saal des Jagorschen Restaurants gegeben, bis 1845 dann in der Singakademie, danach bis 1858 im Saal des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt und zuletzt bis 1890 im heutigen Apollosaal des Operngebäudes.  
 
1843  
Franz Liszt gibt am 18. Januar ein Benefizkonzert für bedürftige Musiker. In der Nacht vom 18. zum 19. August brennt das Opernhaus bis auf die Grundmauern ab. Carl Ferdinand Langhaus wird mit dem sofortigen Wiederaufbau beauftragt. Am 24. November übernimmt Mendelssohn Bartholdy die Leitung der meisten der Soiree-Konzerte für ein Jahr.  
 
1844  
Am 7. Januar dirigiert Richard Wagner die Berliner Erstaufführung seines »Fliegenden Holländers«. Am 31. März leitet Mendessohn Bartholdy in der Berliner Garnisionskirche eine Aufführung von Händels »Israel in Ägypten« mit 450 Mitwirkenden. Am 7. Dezember eröffnet die wieder aufgebaute Lindenoper mit der Uraufführung von Meyerbeers »Ein Feldlager in Schlesien«. Gottfried Wilhelm Taubert übernimmt die Leitung der Soirees bis 1883.  
 
1846  
Meyerbeer erhält am 6. Dezember unbefristeten Urlaub. Von jetzt an dirigiert er nur noch eigene Werke sowie einige Hofkonzerte in Berlin.  
 
1847  
Unter der Leitung des Komponisten wird Wagners »Rienzi« am 24. Oktober erstmals in Berlin gespielt  
 
1848  
Otto Nicolai (1810-1849) wird in Berlin Dom- und Hofkapellmeister.  
 
1849  
Am 9. März leitet Nicolai die Uraufführung seiner komischen Oper »Die lustigen Weiber von Windsor«.  
 
1856  
Nach langen Auseinandersetzungen zwischen dem seit 1851 amtierenden Generalintendanten der »Königlichen Schauspiele« Hülsen und dem Komponisten wird Wagners »Tannhäuser« am 7. Januar erstmals in Berlin gespielt.  
 
1857  
Als erste Oper Verdis in der Lindenoper erklingt am 24. März »Der Troubadour«.  
 
1875  
Robert Radecke, Hofkapellmeister von 1871 bis 1887, leitet die Aufführung des Verdi-Requiems. Von 1883 - 1886 leitet er auch die »Kapellsoirees«.  
 
1887  
Zur Berliner Erstaufführung von Verdis »Aida« erstrahlt das Opernhaus erstmals in elektrischen Licht.  
 
1888  
Joseph Sucher (1843-1908) wird Dirigent der Hofkapelle und der Lindenoper (bis 1899) und leitet zusammen mit Musikdirektor Heinrich Kahl die Sinfoniekonzerte.  
 
1890  
Die Konzerte der königlichen Kapelle nennen sich ab 14. April »Sinfonie-Abende« und finden nicht mehr im heutigen Apollo-Saal, sondern im großen Zuschauerraum statt.  
 
1892  
Felix von Weingartner (1863-1942), seit 1891 engagiert, übernimmt die »Sinfonie-Abende«. Einige der Konzerte werden von Karl Muck (1859-1940) dirigiert.  
 
1898  
Richard Strauss (1864-1949) übernimmt am 1. November das Amt des Ersten Hofkapellmeisters und debütiert am 5. November mit Wagners »Tristan und Isolde«. Ab 1908 als Generalmusikdirektor dirigiert er Sinfoniekonzerte sowie über 30 Opern im Jahr.  
 
1906  
Leo Blech (1871-1958) wird Hofkapellmeister und schließlich Generalmusikdirektor im Jahre 1913. Am 5. Dezember 1906 dirigiert Strauss die Berliner Erstaufführung seiner Oper »Salome«.  
 
1915  
Richard Strauss dirigiert am 5. Februar ein Sinfoniekonzert mit Schumanns 1. und Beethovens 8. Sinfonie. Max Reger leitet die Berliner Erstaufführung seiner Mozart-Variationen sowie seiner »Vaterländischen Ouvertüre«.  
 
1918  
Am 8. November dirigiert Strauss das letzte Sinfoniekonzert der »Königlichen Kapelle, denn nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs wird die »Hofkapelle« in »Staatskapelle« umbenannt. Strauß leitet bis 1920 weiter Sinfoniekonzerte.  
 
1920 -1925  
Konzerte werden dirigiert von Max von Schillings (1868-1933), 1920/22 Wilhelm Furtwängler (1886-1954), 1922/23 Hermann Abendroth (1883-1956) sowie Bruno Walter (1876-1962) und Fritz Busch (1890-1951).  
Von 1920-1924 finden zudem wichtige Berliner Erstaufführungen zeitgenössischer Werke statt, so »Die Frau ohne Schatten« von Strauss, »Die Gezeichneten« von Franz Schreker, »Turandot« und »Arlecchino« von Ferruccio Busoni, »Tosca« von Puccini oder »Zwingburg« von Ernst Krenek.  
 
1923  
Der neu berufene Generalmusikdirektor Erich Kleiber (1890-1956) dirigiert am 5. Dezember sein erstes Sinfoniekonzert.  
 
1925  
Unter der musikalischen Leitung von Kleiber wird Alban Bergs »Wozzeck« am 14. Dezember uraufgeführt.  
 
1928  
Béla Bartók spielt in einem von Kleiber dirigierten Sinfoniekonzert sein 2. Klavierkonzert.  
 
1930  
Kleiber leitet am 5. Mai die Uraufführung der Oper »Christoph Kolumbus« von Darius Milhaud.  
 
1931  
Nach Schließung der Kroll-Oper dirigieren Otto Klemperer (1885-1873), Alexander Zemlinsky (1871-1942) und Fritz Zweig (1893-1984) an der Lindenoper.  
 
1933  
Nach ihrer Machtergreifung entlassen die Nationalsozialisten viele jüdische Ensemblemitglieder und zwingen Otto Klemperer und eine Reihe von Spitzensolisten ins Exil. Im November wird Wilhelm Furtwängler als Operndirektor verpflichtet. Robert Heger (1886-1978) übernimmt das Amt des Staatskapellmeisters (bis 1945).  
 
1934  
Erich Kleiber leitet die Uraufführung von Bergs »Lulu«-Suite am 30. November. Der von den Nazis inszenierte Skandal veranlasst Kleiber, sein Amt als Generalmusikdirektor niederzulegen und ebenfalls Deutschland zu verlassen. Wilhelm Furtwängler setzt sich am 4. Dezember in einem Offenen Brief an den Reichspropagandaminister Goebbels für seine jüdischen Kollegen ein und legt sein Amt als Operndirektor nieder.  
 
1935  
Clemens Krauß (1893-1954) wird für ein Jahr Generalmusikdirektor der Lindenoper, Werner Egk (1901-83) Staatskapellmeister.  
 
1936  
Johannes Schüler (1894-1966) kommt als Dirigent an die Lindenoper.  
 
1938  
Werner Egk dirigiert die Uraufführung seiner Oper »Peer Gynt« am 24. November. Die Premiere von Mozarts »Zauberflöte« am 18. Dezember leitet Herbert von Karajan (1908-1989), der dann von 1941 bis 1945 Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden ist.  
 
1939  
Karajan dirigiert am 28. Januar die Uraufführung von Wagner-Régenys »Die Bürger von Calais«.  
 
1940  
In der alten Philharmonie dirigiert Herbert von Karajan am 21. Oktober sein erstes Sinfoniekonzert mit der Staatskapelle.  
 
1942  
Bei der Wiedereröffnung der 1941 bei einem Bombenangriff zerstörten Lindenoper leitet Wilhelm Furtwängler am 12. Dezember Wagners »Die Meistersänger von Nürnberg«.  
 
1944  
Aufgrund des von Goebbels ausgerufenen »Totalen Kriegs« wird die Staatsoper geschlossen. Als letzte Aufführung erklingt am 31. August unter Leitung von Johannes Schüler »Die Hochzeit des Figaro« von Mozart. Die Staatskapelle gibt jedoch weiterhin Sinfonie- und Opernkonzerte. Am 4. und 5. Oktober dirigiert Karajan Bruckners 8. Sinfonie, der Finalsatz entsteht dabei als erste Stereoaufnahme des Rundfunks.  
 
1945  
Die Lindenoper wird am 3. Februar abermals zerstört. Die Konzerte finden nunmehr im Admiralspalast und im Schauspielhaus statt. Am 18. Februar dirigiert Herbert von Karajan im Beethovensaal sein letztes Sinfoniekonzert mit der Staatskapelle.  
Am 16. Juni spielt die Staatskapelle Berlin unter Karl Schmidt im Großen Sendesaal des Berliner Funkhauses in der Masurenallee das erste große Opernkonzert der »Ehemaligen Staatsoper Berlin« nach der Kapitulation des faschistischen Deutschlands. Am 30. Juni eröffnet die »Deutsche Staatsoper Berlin« mit einem Konzert der Staatskapelle im Deutschen Theater die erste Nachkriegsspielzeit. Der Admiralspalast als neue Spielstätte bis 1955 wird am 23. August mit einem Konzert und am 8. September mit Glucks »Orpheus und Eurydike« eröffnet. Am 17. Oktober dirigiert Johannes Schüler das erste Sinfoniekonzert.  
 
1947  
Yehudi Menuhin musiziert mit der Staatskapelle am 2. Oktober in einem Wohltätigkeitskonzert zugunsten der Jüdischen Gemeinde, die Leitung hat Wilhelm Furtwängler. Am 14. Oktober wird Boris Blachers Oratorium »Der Großinquisitor« in einem Sinfoniekonzert der Staatskapelle unter Johannes Schüler uraufgeführt.  
 
1948  
Paul Hindemiths Oper »Mathis der Maler«, dirigiert von Johannes Schüler, wird am 22. Februar erstmals in Berlin aufgeführt. Am 1. September wird Joseph Keilberth (1908-1968) als Erster Kapellmeister der Staatskapelle verpflichtet. Auch Leopold Ludwig (1908-1979) erhält einen Vertrag als Kapellmeister.  
 
1951  
Am 17. März findet die Uraufführung der Oper »Das Verhör des Lukullus« von Bertold Brecht und Paul Dessau statt. Nach seiner Rückkehr aus dem Exil dirigiert Erich Kleiber am 17. Juni seine erste »Rosenkavalier«-Aufführung und am 22. Juni sein erstes Sinfoniekonzert mit der Staatskapelle. Er fordert den Wiederaufbau der Lindenoper und übernimmt 1953 die musikalische Leitung der Deutschen Staatsoper.  
 
1954  
Vom 15. März bis 23. Mai gastiert die Deutsche Staatsoper erstmals nach dem Kriege in Paris.  
 
1955  
In einem Offenen Brief protestiert Erich Kleiber am 15. März gegen die Entfernung der Inschrift »Fridericus Rex Apollini et Musis« am Giebel der Lindenoper und kündigt seinen Vertrag, weil er erkennen muss, dass eine »unbeeinflusste Kunstausübung in Zukunft nicht mehr möglich ist«. Am 22. April wird Franz Konwitschny (1901-1962) als geschäftsführender Generalmusikdirektor der Deutschen Staatsoper Berlin berufen. Am 14. Juni dirigiert Hans Löwlein die letzte Vorstellung der Staatsoper im Admiralspalast: Mozarts »Die Entführung aus dem Serail«. Am 4. September wird die wiederaufgebaute Lindenoper mit Wagners »Meistersinger« von Nürnberg unter Leitung von Franz Konwitschny wiedereröffnet. Als weitere Dirigenten sind engagiert: Lovro von Matacic (1899-1983) bis 1958, Horst Stein (geb. 1928) bis 1961 und Hans Löwlein.  
 
1958  
Vom 9. bis 19. September reist die Staatskapelle unter Leitung von Konwitschny zu ihrem ersten Nachkriegsgastspiel nach Moskau und Leningrad.  
 
1959  
Unter Leitung von Walter Goehr wird am 24. August Hanns Eislers »Deutsche Sinfonie« uraufgeführt.  
 
1961  
Nach dem Bau der Mauer am 13. August verlassen die Westberliner Mitglieder die Staatskapelle und werden durch Musiker verschiedener Orchester aus der DDR ersetzt. Helmut Seydelmann (bis zu seinem Tod 1962), Heinz Rögner (bis 1970) und Heinz Fricke (bis 1992) werden als neue Dirigenten verpflichtet.  
 
1964  
Der Österreicher Otmar Suitner (geb. 1922) wird am 1. August zum neuen Generalmusikdirektor der Deutschen Staatsoper und zum Chefdirigenten der Staatskapelle berufen, er bleibt bis 1990 im Amt.  
 
1965  
Am 16. Oktober wird unter Otmar Suitners Leitung Dessaus »Sinfonische Adaption des Quintetts in Es-Dur von W.A. Mozart« uraufgeführt.  
 
1966  
Otmar Suitner dirigiert am 15. November die Uraufführung von Paul Dessaus »Puntila« nach Brecht.  
 
1969  
Am 19. Dezember erlebt Dessaus Oper »Lanzelot« (Libretto: Heiner Müller) unter Leitung von Herbert Kegel ihre Uraufführung.  
 
1974  
Dessaus Oper »Einstein« wird am 16. Februar, dirigiert von Otmar Suitner, uraufgeführt.  
 
1977  
Nach einem Operngastspiel gibt die Staatskapelle unter Suitner und Michiyoshi Inoue ihre ersten Gastkonzerte in Japan.  
 
1979  
Die Staatskapelle beginnt mit der kontinuierlichen Produktion von Schallplatten unter Suitners Leitung. Innerhalb von zehn Jahren entstehen Aufnahmen fast der gesamten Sinfonik des 19. Jahrhunderts. Am 24. November erlebt Dessaus Oper »Leonce und Lena« ihre posthume Uraufführung unter Suitner.  
 
1984  
Am 3. Oktober gibt die Staatskapelle ihr erstes Konzert im wiederaufgebauten Schinkelschen Schauspielhaus.  
 
1989  
Im September übergibt die Staatskapelle der DDR-Regierung eine Resolution für eine »wahrhafte Demokratisierung unserer Gesellschaft«. Am 7. und 8. Oktober gastiert die Staatskapelle in der neuerbauten Pariser »Operá Bastille«. Am 5. November gibt die Staatskapelle in der Berliner Gethsemane-Kirche ein »Konzert gegen Gewalt«, Dirigent ist Rolf Reuter. Am 9. November werde die Grenzen der DDR geöffnet: Die Mauer ist offen.  
Am 18. und 19. Dezember dirigiert Yehudi Menuhin im Großen Sendesaal des SFB und in der Staatsoper Konzerte der Staatskapelle »Für den Wiederaufbau verfallener Stadtzentren in der DDR«.  
 
1990  
Am 3. Oktober tritt die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei. Vom 15. Oktober bis 6. Dezember findet das elfte und bis dahin umfangreichste Gastspiel der Staatsoper in Japan statt.  
 
1991  
Am 30. Dezember unterzeichnet Daniel Barenboim seinen Vertrag als Künstlerischer Leiter und GMD der Staatsoper Unter den Linden, Georg Quander wird Intendant. Am gleichen Tag gibt Daniel Barenboim sein erstes Konzert mit der Staatskapelle mit Beethovens 9. Sinfonie.  
 
1992  
Als seine erste Opernpremiere an der Staatsoper Unter den Linden dirigiert Daniel Barenboim am 25. Oktober Wagners »Parsifal«.  
 
1993  
Wagners »Walküre« am 12. Dezember steht am Anfang einer Neuproduktion des »Ring des Nibelungen« unter dem Dirigat von Barenboim. Am 5. November 1994 folgt »Siegfried«.  
 
1995  
Die Staatsoper Unter den Linden gastiert unter Barenboims Leitung vom 19. bis 29. April mit Beethovens »Fidelio« sowie mit Beethoven-Konzerten im Pariser Théâtre du Châtelet.  
 
1996  
Vom 31. März bis 8. April finden zum ersten Mal die jährlich zur Osterzeit anberaumten FESTTAGE statt. Bei den ersten FESTTAGEN wird Wagners »Ring des Nibelungen« in der Neuinszenierung von Harry Kupfer mit Daniel Barenboim am Pult erstmals zyklisch aufgeführt.  
 
1997  
Am 23. Februar wird Alban Bergs »Lulu« zum ersten Mal an der Staatsoper gespielt. Am 25. Mai wird »Tanzstunden – ein Ballett-Triptychon« von Hans Werner Henze uraufgeführt. Am 2. Oktober wird bei der Staatskapelle eine »Orchester-Akademie« gegründet, die der Nachwuchsausbildung dient.  
 
1998  
Claudio Abbado dirigiert die Premiere von »Falstaff« am 15. Februar und gibt damit sein Debüt am Pult der Staatskapelle.  
 
1999  
Im August findet der von Daniel Barenboim gemeinsam mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said ins Leben gerufene »West-Eastern Divan Workshop« zum ersten Mal in Weimar statt. Er führt junge Musiker aus Israel und den arabischen Ländern zum Musizieren zusammen. Viele Musiker der Staatskapelle Berlin wirken seitdem als Mentoren an diesem Projekt mit. Am 16. September leitet Daniel Barenboim die Berliner Erstaufführung von Arnold Schönbergs »Von heute auf morgen« und die Uraufführung von Elliott Carters »What next?«. Mit der Spielzeit 1999 | 2000 wird Michael Gielen Principal Guest Conductor.  
 
2000  
»Robert le Diable« von Giacomo Meyerbeer wird am 11. März nach der kritischen Neuausgabe unter der Leitung von Marc Minkowski erstaufgeführt. Am 18. april wird »The last Supper« von Harrison Birtwistle uraufgeführt. Vom 9. bis 24. mai führt Daniel Barenboim als Dirigent und Solist mit der Staatskapelle den kompletten Zyklus aller Sinfonien und Klavierkonzerte Beethovens im Großen Musikvereinssaal Wien sowie im Konzerthaus Berlin auf. Am 9. November spielt die Staatskapelle unter Leitung von Daniel  
Barenboim bei der Demonstration »Für Menschlichkeit und Toleranz« ein Konzert am Brandenburger Tor. Vom 10. bis 17. Dezember gastiert die Staatskapelle in den USA, unter anderem mit der Aufführung des Beethovenzyklus in der New Yorker Carnegie Hall. Im Herbst des Jahres wird Daniel Barenboim von der Staatskapelle zum Dirigenten auf Lebenszeit gewählt.  
 
2001  
Am 8. April, zum Beginn der FESTTAGE 2001, wird mit der Premiere des »Fliegenden Holländers« von Richard Wagner der zehnteilige Wagner-Zyklus in der Zusammenarbeit von Daniel Barenboim als Dirigent, Harry Kupfer als Regisseur und Hans Schavernoch als Bühnenbildner abgeschlossen. Vom 4. bis 8. Juli gibt die Staatskapelle ein Gastspiel in Jerusalem. Nach dem 3. Konzert dirigiert Barenboim als Zugabe nach heftigen Diskussionen mit einem Teil des Publikums das Vorspiel von Wagners »Tristan und Isolde«. Am 16. September spielt die Staatskapelle Berlin, das Berliner Philharmonische Orchester sowie das Orchester der Deutschen Oper Berlin ein gemeinsames Konzert in der Philharmonie unter dem Motto »In Friendship and Solidarity« als Zeichen der Solidarität und des Mitgefühls mit den Opfern der Anschläge vom 11. September in den U.S.A.  
 
2002  
Vom 2. Januar bis 15. Februar findet erneut ein Gastspiel der Staatsoper in Japan mit Aufführungen des »Ring des Nibelungen« und Sinfoniekonzerten in Tokio und Yokohama statt. Im Rahmen der FESTTAGE 2002 werden die zehn Hauptwerke Richard Wagners in zwei Zyklen aufgeführt.  
Daniel Barenboim und Edward Said werden im spanischen Oviedo für ihre Friedensbemühungen mit dem Preis »Príncipe de Asturias« in der Sparte Völkerverständigung ausgezeichnet. Im November desselben Jahres erhält Daniel Barenboim den »Toleranzpreis« der Evangelischen Akademie Tutzing sowie das »Große Verdienstkreuz mit Stern« der Bundesrepublik Deutschland.  
Mit Beginn der Spielzeit 2002 | 2003 tritt Peter Mussbach sein Amt als Intendant der Staatsoper Unter den Linden an.  
 
2003  
Im Februar wird Daniel Barenboim gemeinsam mit der Staatskapelle und dem Staatsopernchor für die Einspielung von Wagners Oper »Tannhäuser« ein Grammy verliehen. Im März 2003 werden er und die Staatskapelle mit dem Wilhelm-Furtwängler-Preis geehrt.  
 
2004  
Im Januar spielt die Staatskapelle unter Barenboims Leitung einen Zyklus mit Schumann-Sinfonien bei Gastspielen in Chicago und New York. Im März wird Daniel Barenboim für seine Versöhnungsarbeit im Nahen Osten vom Deutschen Koordinierungsrat mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt. Im  
 
Mai 2004  
erhält er den von der israelischen Wolf Foundation gestifteten Preis für die Künste in der Knesset in Jerusalem. Am 14. Oktober findet die Uraufführung des Musiktheaterprojekts »Takemitsu My Way of Life« von Toru Takemitsu unter dem Dirigat von Kent Nagano und in der Inszenierung von Peter Mussbach statt.  
 
2005  
Die FESTTAGE 2005 finden unter dem Motto »Hommage à Pierre Boulez« anlässlich seines 80. Geburtstages vom 19. bis 28. März in der Philharmonie und dem Opernhaus statt. Am 23. Juni wird Hans Zenders Oper »Chief Joseph« unter der musikalischen Leitung von Johannes Kalitzke und in der Inszenierung von Peter Mussbach uraufgeführt. Im Juni/Juli spielt Daniel Barenboim alle Klaviersonaten Beethovens in einer Serie von acht Konzerten. Die Staatskapelle wird wie bereits 2000 und 2004 nun zum dritten Mal von der Zeitschrift Opernwelt zum »Orchester des Jahres« gewählt.  
 
2006  
Eine Konzertserie zum 250. Geburtstag von W. A. Mozart findet vom 7. Dezember 2005 bis zum 27. Januar 2006 statt. Neben einer ausgedehnten USA-Tournee im Februar führen Gastspielreisen die Staatskapelle im Verlauf des Jahres nach Wien, Granada, Luzern, Barcelona, Zaragoza, Madrid und Paris.  
Pascal Dusapins Oper »Faustus, The Last Night« wird am 21. Januar unter der musikalischen Leitung von Michael Boder und in der Inszenierung von Peter Mussbach uraufgeführt.  
Am 12. Mai wird Daniel Barenboim bei einem Festakt in Wien, wo er mit der Staatskapelle Gastkonzerte gibt, der internationale Ernst von Siemens Musikpreis verliehen.

2009 
Die Musiker der Staatskapelle beschließen einstimmig,  eine gemeinnützige Stiftung für Umwelt- und Klimaschutz ins Leben zu rufen. Im November wird die NaturTon-Stiftung gegründet.

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